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Donnerstag, 5. April 2018

Verträge und Salary Cap - Zusammenhänge

Die Gehaltsobergrenze (Salary Cap) ist eine von mehreren NFL Regeln, die eingeführt wurden, um die Kräfteverhältnisse unter den 32 Teams möglichst ausgeglichen zu gestalten. Die Summe aller Spielergehälter darf die Obergrenze nicht überschreiten. Dadurch wird verhindert, dass ein finanzkräftiges Team nicht einfach alle sehr guten Spieler unter Vertrag nehmen und sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den restlichen Teams erkaufen kann.



Der (oder die) Salary Cap basiert auf den Gesamteinnahmen der Liga, dazu gehören unter anderem Übertragungsrechte, sowie Erlöse aus dem Ticket- und Trikotverkauf. Zwischen 47 und 48,5% davon werden für Spielergehälter bereitgestellt. In der kommenden Saison sind das 177.2 Millionen US Dollar pro Team.

Festgelegt ist der Prozentsatz im CBA (Collective Bargaining Agreement), hierzulande als GAV bekannt. Weil die Verhandlungen zwischen der NFL und der NFLPA (Spielergewerkschaft) 2010 länger dauerten als gehofft, gab es in diesem Jahr keinen Salary Cap und danach stagnierte dieser für ein paar Jahre.

Seitdem steigt er jedoch in grossen Schritten an und das dürfte auch in den nächsten Jahren so weiter gehen. Dies nicht zuletzt aufgrund neuer Verträge für die Übertragungsrechte. Erst kürzlich bezahlte der Sender FOX eine neue Rekordsumme von $660 Millionen für die Rechte an den TNF (Thursday Night Football) Spielen. Die Gehaltsobergrenze von $200 Millionen dürfte bald geknackt werden, spätestens wenn die allgemeinen Übertragungsrechte 2021 neu zu vergeben sind.



Im Zusammenhang mit dem Salary Cap stösst man besonders zur jetzigen Zeit der ersten Free Agency Phase auf viele Fachbegriffe. Cap Hit, Base Salary, Dead Cap, Prorated, Incentives, um nur ein paar zu nennen. Dabei den Überblick zu wahren kann schwierig sein. Zeit etwas Licht ins Dunkel zu bringen und den Aufbau eines typischen NFL Vertrags zu beleuchten.

Grundsätzlich besteht dieser aus drei Teilen, die zusammen den Cap Hit ergeben, also wie viel der Vertrag hinsichtlich der Obergrenze in einem Jahr kostet:

Grundgehalt (Base Salary oder auch P5 genannt). Kann von Jahr zu Jahr variieren.

Unterschriftsbonus (Signing Bonus). Wird bei Unterschrift ausgezahlt, bezüglich des Salary Caps jedoch gleichmässig auf die Anzahl Vertragsjahre aufgeteilt (prorated). Zählt jedes Jahr gegen den Salary Cap, selbst wenn der Spieler nicht mehr im Kader steht.

Anreize/Boni (Incentives). Kann vielerlei Dinge beinhalten. Diese reichen von Super Bowl MVP, über bestrittene Spiele bis hin zu Rushing Yards, Touchdowns oder sogar Körpergewicht.

Die Incentives werden in zwei Kategorien aufgeteilt. LTBE (likely to be earned, wird wahrscheinlich verdient) und ULTBE (unlikely to be earned, wird wahrscheinlich nicht verdient). Die Einteilung basiert in der Regel auf den Vorjahresleistungen.

Hat ein Spieler zum Beispiel einen Bonus von $500'000 für 1'000+ Receiving Yards und diese Leistung im Vorjahr erzielt, handelt es sich um einen LTBE Bonus, welcher im aktuellen Jahr gegen den Salary Cap zählt. Hätte der Spieler im Vorjahr weniger als 1'000 Receiving Yards erzielt, wäre es ein Bonus der Kategorie ULTBE und würde nicht gegen den Salary Cap zählen.

Bei Verletzungsanfälligen Spielern bauen die Teams als Absicherung gerne Boni, die auf bestrittenen Spielen basieren, in den Vertrag ein. Diese Summe wird dann pro Spiel beurteilt. Hat ein Spieler, der im Vorjahr 8 Spiele absolvierte, pro bestrittenes Spiel (games active) $100'000 Bonus, sind $800'000 LTBE und $800'000 ULTBE.

Zu beachten gilt es, dass die erreichte ULTBE Boni sofort gegen den Salary Cap zählen. Teams müssen in ihren Berechnungen also genügend Cap Space freihalten für den Fall, dass alle ULTBE Boni von den einzelnen Spielern erreicht werden.

Werden LTBE Boni nicht erreicht wird den Teams im Folgejahr mehr Cap Space in der höhe dieser Boni zugestanden.

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Ein simples Beispiel: 3 Years, $11M Base Salary, $6M Signing Bonus

2018 / Base Salary $2M / Signing Bonus $2M = Cap Hit $4M (Dead Cap $8M)
2019 / Base Salary $4M / Signing Bonus $2M = Cap Hit $6M (Dead Cap $4M)
2020 / Base Salary $5M / Signing Bonus $2M = Cap Hit $7M (Dead Cap $2M)

Cap Hit = Summe, die der Spieler in diesem Jahr kostet.

Dead Cap (oder auch Dead Money) = Summe, die der Spieler in diesem Jahr kostet, stände er nicht mehr im Kader (Entlassung oder Trade). Dabei fallen alle noch ausstehenden Kosten in das selbe Jahr.

Entlassung 2018: Base Salary $2M + Signing Boni $6M = $8M
Entlassung vor Ligajahr 2019: Signing Boni $4M = $4M
Entlassung vor Ligajahr 2020: Signing Boni $2M = $2M

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Wie man sieht haben die Teams etwas Spielraum bezüglich der jährlichen Vertragskosten (Cap Hit). Ein Vertrag kann zum Beispiel so gestaltet werden, dass der Cap Hit anfangs grösser ist (frontloaded) oder so, dass der Cap Hit gegen Ende höher ist (backloaded). Besonders die zweite Variante ist beliebt, wenn ein Team im aktuellen Jahr nur noch wenig Cap Space zur Verfügung hat. Aber aufgepasst, irgendwann muss man zumindest den garantierten Teil bezahlen, umgehen kann man das nicht und der Cap Hit wird lediglich hinausgeschoben. Dadurch gerät so manches Team schnell mal in die Cap Hell (Cap Hölle).

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Ein etwas komplizierteres Beispiel inklusive Incentives:

"Sam Bradford signed a 2 year, $40,000,000 contract with the Arizona Cardinals, including a $10,000,000 signing bonus, $15,000,000 guaranteed at signing, and an average annual salary of $20,000,000. In 2018, Bradford will earn a base salary of $5,000,000, a signing bonus of $10,000,000 and a roster bonus of $625,000, while carrying a cap hit of $10,625,000 and a dead cap value of $10,000,000."

Contract Notes:
  • $15M guaranteed at signing (signing bonus + 2018 salary)
  • 2018 Per Game Active Bonus: $312,500 ($5M, 2 LTBE)
  • 2019 salary $7.5M fully guarantees 3 days before the 2019 league year
  • 2019 Roster Bonus: $10M (due the 3rd league day of 2019
  • 2019 Per Game Active Bonus: $156,250 ($2.5M)
  • Super Bowl Win: $1M











Daraus kann man alle benötigten Zahlen ableiten. "Übersetzt" sähe das dann so aus:

2018 / $5M / $5M / Bonus $625'000 = Cap Hit $10,625M (Dead Cap = $10M)

Bonus erklärt sich folgendermassen: Für Spiele im aktiven Kader gibt es insgesamt $5M, pro Spiel $312'500. Sam Bradford war letzte Saison aber lediglich für zwei Spiele im aktiven Kader, deshalb fallen nur zwei dieser Boni ($625'000) in die LTBE Kategorie und zählen sofort gegen den Cap. Die restlichen 14 Boni gelten als ULTBE und zählen erst wenn sie erreicht werden. Sollte Sam Bradford also alle 16 Spiele bestreiten, stiege sein Cap Hit für 2018 auf $15M.

2019 / $7.5M / $5M / Bonus $12.5M = $25M (Dead Cap = $5M)

Bonus besteht aus $10M Roster Bonus und insgesammt $2.5M für Spiele im aktiven Kader, wobei hier mit der Annahme gerechnet wird, Sam Bradford bestreite alle 16 Spiele im Vorjahr. Dead Cap lediglich $5M, weil nur der Signing Bonus zu Buche stehen würde, entliessen die Cardinals den Spieler vor dem Ligajahr 2019.

Wenn man diesen Vertrag so anschaut, fällt einem auf, dass es sich im Prinzip um einen 1-Jahresvertrag handelt. Das zweite Jahr kann als eine Art "Verlängerungsoption" für das Team angesehen werden. Dieses kann nach 2018 entscheiden, ob es den Quarterback bei guter Leistung zu teureren Konditionen behalten möchte, oder ob es ihn ohne grossen, schmerzhaften Dead Cap entlassen will.

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Dieser Beitrag kratzt lediglich an der Oberfläche. Viele Dinge, wie zum Beispiel der "Post June 1 Cut" wurden bewusst weggelassen. Wer sich eingehender mit der Thematik Salary Cap und allgemein der "Business Side" der NFL befassen möchte, dem sei das Buch Crunching Numbers von Jason Fitzgerald empfohlen.

Dieser gewährt auf Youtube ebenfalls einige Einblicke in die komplizierte Salary Cap Welt, zum Beispiel hier https://www.youtube.com/watch?v=wzYTaPRkDmc oder hier https://youtu.be/RBNlveAWHG4

Dienstag, 20. März 2018

Der seltsame Fall des NFL Vertrags



Irgendwann anfangs bis Mitte März eines jeden Jahres heisst es für die NFL "Happy New Year!". Es ist der Zeitpunkt, dieses Jahr war es der 14. März um 21:00 MEZ, an dem offiziell das neue Ligajahr beginnt.


Damit einhergehend werden alle Spieler mit auslaufenden Verträgen auf einen Schlag arbeitslos und die sogenannten Free Agents dürfen von allen Teams umworben werden. Gelockt werden die freien Agenten mit guten Erfolgsaussichten, Verbindungen zu Trainern und Spielern aber natürlich in erster Linie mit lukrativen finanziellen Angeboten.

Diese für Normalsterbliche, wie wir es sind, absurd hohen Summen und Vertragszahlen fliegen uns nur so um die Ohren, dass es einem schwindlig werden kann. "Free Agency Frenzy" (Frenzy = Rausch, Rage, Ekstase) wird die erste Phase passend genannt. In diesen hektischen paar Tagen kann man schnell den Überblick verlieren und wenn es darum geht diesen zu wahren, helfen die auf Klicks und Likes ausgerichteten Medien und FB-Accounts in der Regel auch nicht weiter.


Erste Zahlen werden ohne diese zu hinterfragen übernommen. Theoretisch sind sie meistens auch korrekt, denn dabei handelt es sich jeweils um den maximalen Wert eines Vertrags. Das führt zu spektakulären Schlagzeilen und emotionalen Reaktionen, wie doof ein Team sei und Spieler X so viel geben könne oder Spieler Y viel zu wenig angeboten habe.

Diese Maximalbeträge sind jedoch nicht einmal die halbe Wahrheit, sondern knapp mehr als ein Drittel, genau genommen 34% der Wahrheit. Mit NFL Verträgen verhält es sich ähnlich wie bei Benjamin Button: Die Gehälter werden nicht grösser, das Gegenteil ist der Fall. Je mehr Zeit vergeht und je mehr Vertragsdetails bekannt werden, desto kleiner werden die Zahlen.

Das liegt daran, dass NFL Verträge nur teilweise garantiert sind. Ist anfangs nur der Maximalwert bekannt, erfährt man immer wie mehr Details: Wie viel des Gehalts ist "garantiert" und wie viel des garantierten Anteils landet bei Vertragsunterschrift auf jeden Fall auf dem Konto des Arbeitnehmers.


Garantiert bedeutet nicht vollständig garantiert. Klingt komisch, ist aber so. Die garantierte Summe verteilt sich in den meisten Fällen auf mehrere Jahre. Das Gehalt in einem späteren Jahr ist aber erst dann garantiert, wenn der Spieler zu diesem Zeitpunkt noch im Kader steht. Eine Garantie heisst somit keineswegs, dass der Spieler die bestimmte Summe in zwei Jahren auch erhält, bis dahin kann vieles passieren.

Deshalb sieht man kurz vor Beginn des neuen Ligajahres auch so viele Cuts (Entlassungen), restrukturierte Verträge und/oder Einigungen über Gehaltskürzungen. Die Teams sitzen am deutlich längeren Hebel.

Zu 100% sicher ist lediglich der zum Zeitpunkt der Unterschrift ("Guaranteed at Signing") festgelegte Betrag, den der Spieler selbst dann erhält, wenn das Team ihn am nächsten Tag entlässt. Das ist meist das Grundgehalt (Base Salary) des ersten Vertragsjahres und der Unterschriftsbonus (Signing Bonus).


Dazu eine Statistik von Spotrac. Eine Webseite, die sich mit Sportverträgen, Salary Cap und weiteren finanziellen Aspekten diverser Profiligen befasst. Diese kommt nach Analyse aller mit Free Agents abgeschlossenen Verträgen zu folgendem Ergebnis: Über die letzten drei Jahre waren bei Vertragsunterschrift nur 34% des Lohns vollständig garantiert.

Ein Beispiel gefällig? CB Richard Sherman. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Der etwas in die Jahre gekommene Superstar, der gerade erst zwei Achillessehnen-Operationen über sich ergehen lassen musste, erhält von den San Francisco 49ers einen Vertrag für sagenhafte 28 Millionen US Dollar! Wie krass! Wow! Fantstisch! Überbezahlt! Dumm!

Schnell stellte sich heraus, dass es sich in Tat und Wahrheit um einen Einjahresvertrag handelt. Die San Francisco 49ers können ihn nach dieser Saison ohne gravierende Langzeitfolgen für den Salary Cap entlassen, wenn sie mit Shermans Leistung oder Verhalten unzufrieden sind. Lediglich sieben Millionen des Vertrags sind garantiert. Bei Vertragsunterschrift sind es sogar nur drei Millionen.


Wenn also wiedermal Breaking News über einen hochdotierten Vertrag auf eurem Bildschirm landen, nehmt diese mit dem Wissen im Hinterkopf zur Kenntnis, dass es sich um den praktisch nie eintretenden, absoluten Optimalfall handelt. Zugesichert und vollständig Garantiert wird es markant weniger sein.

Hinter NFL Verträgen steckt immer mehr. Und immer auch Wege, wie Teams ihre Spieler aus dem Vertrag entlassen können, ohne dass sie auch nur ansatzweise das Maximalgehalt bezahlen müssen.


Wobei dies seit Kurzem auch nicht mehr gänzlich stimmt. QB Kirk Cousins hat letzte Woche als erster Spieler überhaupt einen komplett garantierten Vertrag über drei Jahre unterschrieben. Er erhält für seine Dienste ohne Wenn und Aber 84 Millionen US Dollar.

Damit ist er eine Art Wegbereiter für Quarterback Berufskollegen. Sehr wahrscheinlich nur für sie. Aufgrund ihrer Wichtigkeit ist es durchaus denkbar, dass wir vermehrt solche Beträge zu sehen bekommen. Aaron Rodgers und Matt Ryan, die als nächste grosse Quarterback-Namen neue Verträge erhalten, werden sich bestimmt nicht über den Deal von Cousins mit den Minnesota Vikings aufgeregt haben...

Campbell - Das "Corner-Projekt" für Steve Wilks

CHRISTIAN CAMPBELL, Cornerback, Penn State Runde 6, Pick 182 Alter / 22 Jahre Geburtsort / Phenix City, Alabama Grösse / 1.85m Gewic...